Die von der Bundesregierung geplante steuerliche Freistellung von Überstundenzuschlägen würde nach Berechnungen des ifo Instituts nur geringe Effekte auf Beschäftigung, Wachstum und Staatseinnahmen haben. Eine im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Fiskus zwischen 11 und 45 Millionen Euro weniger einnehmen würde, während höchstens zwischen 3 000 und 12 000 Vollzeitstellen geschaffen werden könnten.
Ergebnisse der Analyse
Als Hauptgrund für die geringen Auswirkungen nennt die Studie die begrenzte Reichweite der Maßnahme. Im Jahr 2024 leisteten nach Angaben des ifo Instituts etwas weniger als 4,4 Millionen der insgesamt 39,1 Millionen Beschäftigten Überstunden. Davon glichen 71 Prozent Überstunden über ein Arbeitszeitkonto aus. 19 Prozent bekamen Überstunden nicht bezahlt. Tatsächlich bezahlte Überstunden gab es bei 16 Prozent der Überstunden Leistenden, das entspricht rund 688 000 Beschäftigten.
Diejenigen, die bezahlte Überstunden erhalten, arbeiten im Durchschnitt deutlich mehr als andere. Bei Vollzeitbeschäftigten mit Überstunden rechnet die Studie mit rund sieben Überstunden pro Woche. Zugleich sei jedoch nur mit einer sehr geringen Erhöhung der Wochenarbeitszeit infolge der Steuerbefreiung zu rechnen. „Die Steuerbefreiung wird ihre wöchentliche Arbeitszeit im Mittel allerdings nur um etwa eine halbe Stunde erhöhen“, sagt ifo-Forscher Leander Andres.
Politische Umsetzung und Bewertung
Der Koalitionsvertrag 2025 sieht eine Freistellung allein der Zuschläge auf die Überstundenvergütung von der Einkommensteuer vor. Unberührt bleibt die Besteuerung der regulären Vergütung für Überstunden. Auch die Sozialabgabenpflicht auf die Überstundenzuschläge soll erhalten bleiben. Zudem ist die Reform auf Vollzeitbeschäftigte beschränkt und der steuerfreie Zuschlag soll maximal 25 Prozent der normalen Stundenvergütung betragen.
Vor diesem Hintergrund schätzt das ifo Institut die Wirkung der geplanten Reform als insgesamt schwach ein. „Unterm Strich hätte die geplante Reform kaum Effekte auf Beschäftigung, Steueraufkommen und Wachstum“, sagt ifo-Forscher Volker Meier. Die potenziellen zusätzlichen Arbeitsplätze würden das Defizit bei den steuerlichen Mindereinnahmen nicht ausgleichen.
Die Studie wurde vom ifo Institut im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt. Die Ergebnisse fließen nun in die politische Debatte über die Ausgestaltung der vorgesehenen Steuerbefreiung ein.
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